Christkind oder Weihnachtsmann?

Christkind oder Weihnachtsmann
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… ist das hier wirklich die Frage?

Erinnern Sie sich noch daran, wie es war, als der Advent unendlich schien und wohl die aufregendste Zeit des ganzen Jahres war? Erinnern Sie sich an die vielen zauberhaften Hinweise auf das Christkind, das wir dann doch immer um ein paar Minuten verpassten, auch wenn wir ihm schon so nah auf den Fersen waren?

Goldstaub auf dem Balkon war ein sicheres Zeichen, dass es uns wieder einmal durch die Scheiben beobachtet hatte, und wenn dann gar der Brief verschwunden war …. unser mit Sorgfalt verfasster, endloser Brief voll mit hoffnungsvollen Wünschen und eingeklebten Bildern aus dem Spielwarenkatalog der Firma Herbst aus Klagenfurt.

Wie viele Federn hat das Heilige Kind allein bei uns im Garten verloren! Ein Wunder, dass es überhaupt noch fliegen und den schweren Baum durch unser Wohnzimmerfenster hinein in die gute Stube hieven konnte!

Doch haben wir jemals gezweifelt daran, dass dieser Zauber Wirklichkeit sein sollte? Nein! Nicht im Geringsten. Der Glaube daran hat uns mit so viel Vorfreude und Aufregung erfüllt, dass wir fast platzen wollten vor lauter Glückseligkeit.

Auch war die Welt noch klein damals und andere Weihnachtsbegleiter fern. Verwirrung also ausgeschlossen.

Weihnachtsmann_u_Christkind
Weihnachtsmann und Christkind friedlich vereint

 

Kunstvolle Christbaumanhänger vom Wienerroither
Christkind und Weihnachtsmann aus Baiser – handgemachte Christbaum-Anhänger aus unserer Konditorei

Die Zeiten haben sich geändert. In unserer globalen Zivilisation können schon die kleinsten Weihnachtsfans entscheiden, ob sie dem Santa Claus, der Befana, dem Väterchen Frost, Sinterklaas, Knecht Ruprecht, dem Weihnachtsmann, Father Christmas oder doch dem Christkind anhängen. Was für eine überwältigende Vielfalt.

 

In unseren Breiten warten die meisten kleinen und großen Kinder jedoch immer noch aufs Christkind.

 

Das Christkind

Das Christkind mit dem Weihnachtsbaum
Das Christkind bringt den Weihnachtsbaum und meldet mit einem zarten Glockenton, wenn alles bereit ist

Das Christkind ist geheimnisvoll. Es bringt Geschenke ohne dabei gesehen zu werden und man kann lediglich per Post mit ihm in Verbindung treten.

Zurück geht die Figur des Christkindes höchstwahrscheinlich auf die Ablehnung der Protestanten gegenüber der katholischen Heiligenverehrung. Martin Luther soll bereits im 16. Jahrhundert den Bischof Nikolaus durch den „Heiligen Christ“ ersetzt haben, eine Personifizierung des Jesukindes, die damals freilich noch nicht als blondgelocktes, blauäugiges Engerl daherkam. Zuerst verbreitete sich dieser Glaube an das Christkind im evangelischen deutschen Raum und kam erst später nach Bayern und Österreich.

Heilige Nacht
Das Christkind und seine Helfer in der Heiligen Nacht

 

Helfende Engerl
Viele kleine Engelein huschen die Himmelsstiege hinauf

Heutzutage hält sich die Vorstellung, das Christkind wohne oben im Himmel und werde von vielen helfenden Engeln unterstützt, die beim Vorbereiten der Geschenke, in der Himmelsbäckerei und beim Lesen der zahlreichen Kinderbriefe dem himmlischen Kind hilfreich zur Seite stehen. Das ganze Jahr über, aber besonders in der Vorweihnachtszeit, fliegt das Christkind mit seinen Engerln heimlich an den hellerleuchteten Fenstern vorbei, um zu sehen, was die Kinder so anstellen. Dabei nimmt es auch gleich eventuelle Post mit, die am Balkon oder dem Fensterbrett deponiert wurde.

Wer ganz sicher gehen und seinen Wunschbrief standesgemäß aufgeben möchte, kann natürlich auch eines der immer zahlreicher werdenden Christkindl-Postämter aufsuchen – das Original steht übrigens in Steyr, im Stadtteil Christkindl und garantiert pünktliche Lieferung vor Heiligabend.

Christkindl
Das Christkindlein mit seinen Gaben

 

Der Weihnachtsmann alias Santa Claus

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts bekommt unser gutes altes Christkindlein rege Konkurrenz vom Weihnachtsmann alias Santa Claus. Vor allem die amerikanische Version dieser weihnachtlichen Symbolfigur ist spätestens mit dem Fernsehen und den vielen Hollywood-Filmen in unseren Häusern endgültig angekommen. Ausgehend von einer Karikatur des Deutsch-Amerikaners Thomas Nast, die 1863 erschien, entstand die heute bekannte Figur des alten, bärtigen Mannes im rot-weißen Anzug – gepuscht von Werbekampagnen eines New Yorker Getränkeherstellers mit Namen White Rock Beverages (1923) und natürlich des Coca-Cola-Konzerns (erstmals 1931).

Santa_CocaCola
Werbesujet aus den 40er-Jahren. Coca-Cola ist wohl die Marke, die die Figur des Santa Claus am meisten prägte.

Inzwischen weiß jedes Kind: Santa Claus lebt am Nordpol und liefert mit seinem Schlitten, der von bis zu 12 Rentieren gezogen wird, in der Heiligen Nacht die Geschenke aus.

Sundblom-Santa mit Rentieren
Santa Claus ist bereit zur Ausfahrt: der Sack ist gepackt und die Rentiere scharren schon mit den Hufen (Illustration: H. Sundblom – 1961)

Die Namen der Rentiere stammen vom 1823 anonym veröffentlichten Gedicht „The Night before Christmas“: Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donner und Blitzen. Rudolph stieß erst relativ spät zur Truppe – nämlich 1939 als ein Gedicht von Robert. L. May die Vorlage zum heute in aller Welt bekannten Weihnachtslied „Rudolph, the Red-Nosed Reindeer“ von Jonny Marks lieferte.

Rudolph aus Nussbeugelteig
Rudolph, the Red-Nosed Reindeer gibt es bei uns auch zum Vernaschen – hier aus feinstem Beugelteig mit einer saftigen Nussfülle – ma guat!

Santa ist trotz seines hohen Alters und der für ihn in jedem Wohnzimmer vorbereiteten Milch und Kekse ungemein beweglich, und schafft es jedes Jahr aufs Neue mit seinen Geschenken durch den Kamin zu klettern, während er seinen fliegenden Schlitten über dem Dach parkt. Dabei macht es ihm keine größeren Schwierigkeiten, die ganze Welt zu umrunden und jedes Kind zu besuchen. Schließlich hat er ja dann wieder 364 Tage, um sich auszuruhen.

Santa ruht sich aus
Nach dieser einen anstrengenden Nacht ist Urlaub angesagt – und zwar 364 Tage lang! (Illustration: H. Sundblom – 1961)

Worauf es wirklich ankommt

Die Wurzeln von Santa Claus liegen in der Figur des niederländischen Sinterklaas, der als Sankt Nikolaus auch der Schutzpatron einer der ersten europäischen Siedlungen in der Neuen Welt war: New Amsterdam – heute besser bekannt als „The Big Apple“, New York.

In dieser Stadt lebte auch die kleine Virginia, die 1897 als Achtjährige der Tagszeitung „New York Sun“ einen Brief schrieb. Darin stellte sie nur eine Frage: „Gibt es einen Weihnachtsmann?“ Der Redakteur Francis P. Church war es, der ihr antwortete und dessen Zeilen bis heute jedes Jahr zur Weihnachtszeit viele Menschen zum Nachdenken anregen. Ein Zitat daraus lautet:

„…Was du auch siehst, du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, einen Schleier, den nicht einmal die Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube und Poesie und Liebe können ihn lüften….“

Christkind beim Lichterbaum
Das Christkind bringt uns das Licht in die Welt

Genau das ist es, worauf es zu Weihnachten ankommt: der Zauber, den Christkind, Weihnachtsmann & Co verbreiten.

Die Magie. Der Glaube, dass Wunder geschehen und es mehr gibt, als das, was wir sehen und greifen können. Dieser Zauber lässt uns wenigstens für einen Moment wieder Kind sein und erfüllt uns mit Freude und Glück. Er gibt uns die Gewissheit, dass einfach alles möglich ist!

Ein wundervolles Geschenk!

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