Fasching ist! 5 Fakten zur 5. Jahreszeit

Müder Faschingsprinz Anonymus I.

Wenn am 11. 11. um 11 Uhr die 5. Jahreszeit eingeläutet wird, herrscht bei uns in Kärnten bis zum Faschingsdienstag Ausnahmezustand und es bleibt garantiert kein Auge trocken. Dafür sorgen nicht nur die tollen Kostüme und Masken bei den traditionellen Faschingsumzügen, sondern auch die zahlreichen Faschingssitzungen überall im Land.

Fasching is!
Fasching is! (Foto: www.kaerntenphoto.at)

Die Tradition

Der Kärntner Fasching ist ein ganz besonderes Erlebnis. Ein paar Tage im Jahr ein Narr zu sein, das Leben nicht allzu ernst zu nehmen, Schabernack zu treiben und Spaß zu haben – das macht die 5. Jahreszeit in Kärnten aus.

Das Wort „Fasching“ leitet sich vom mittelhochdeutschen „Vastchanc“ und dessen Zwischenform „Faschang“ ab. Ausgangspunkt des uns bekannten Faschings sind heidnische Bräuche, wie Dämonen- oder Sonnenkulte. Diese Zeremonien wurden meistens maskiert durchgeführt. In den darauf folgenden Epochen wurde diese Verkleidung bzw. Maskierung bei Festen und Ritualen erhalten.

In mehreren christlichen Ländern Europas fanden im Mittelalter sogenannte „Narrenfeste“ statt, bei denen Kinder und Jugendliche kirchliche Zeremonien durch Parodien und Sketche übertrieben darstellten.

Man hört nicht gerne die Wahrheit, die der Narr spricht!“ – deswegen hatte der Fasching in der Zeit der Zensur und eingeschränkten Pressefreiheit keine guten Karten. Auch Kaiserin Maria Theresia verbot aufgrund zahlloser Ausschreitungen, Schlägereien und Morde dem Adel in zahlreichen Städten das Tragen von „Larven“ vor dem Gesicht im Freien, und so kam es, dass der „Fasching“ in Säle „verbannt“ wurde. Daraus entstand der für Österreich typische „Saalfasching“, der später zu Faschingssitzungen avancierte.

Während der Zeit des Nationalsozialismus versuchte man Elemente des deutschen Karnevals in Form des „Straßenfaschings“ mit seinen Umzügen auch in Österreich einzubürgern. Dies wurde jedoch von der Bevölkerung nicht angenommen, da ein organisierter reichsdeutscher Fasching nicht der Mentalität des Österreichers entsprach. Nach Kriegsende und der wieder gewonnenen Freiheit bediente man sich abermals des alten Brauchtums (siehe z.B. Faschingsgilde Liezen). Nach und nach schlossen sich in verschiedenen Orten vergnügte Menschen zusammen und bildeten sogenannte „Faschingsgilden„.

Der Fasching endet offiziell mit dem Aschermittwoch, und dann ist in Österreich mit dem bunten Treiben auch wieder Schluss und es beginnt die Fastenzeit, mit der man sich auf das kommende Osterfest vorbereitet.

Lei Lei in der Hochburg des Faschings

„Fasching in Villach, Villach im Fasching, das ist schön“ … wer kennt die Hymne des Villacher Faschings nicht, wird sie doch als Auftakt einer jeden Faschingssitzung mit Inbrunst und lautstark gesungen? In Kärnten – aber vor allem in der Draumetropole – hat der Fasching eine lange Tradition, und die Bekanntheit und Beliebtheit der Villacher Faschingssitzungen reicht über die österreichischen Grenzen hinaus.

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Lei Lei beim Faschingsumzug in Villach! (verlinkt mit Pinterest – Quelle: eventfotos24.at/villacher-fasching/)

Die Faschingsgilde rund um das Prinzenpaar lässt sich Jahr für Jahr ein tolles Programm einfallen, das verschiedenste aktuelle Geschehnisse aus Politik und Gesellschaftsleben aufs Korn nimmt. So ist für jeden Faschingsliebhaber das Richtige dabei. Der Verein „Villacher Faschingsgilde“ besteht aus über 200 aktiven Mitgliedern, die auf, vor und hinter der Bühne ehrenamtlich das ganze Jahr über tätig sind, um dem Villacher Fasching das ganz besondere Etwas zu verleihen. Ganz groß geschrieben werden beim Villacher Fasching Vergnügen und Spaß. Am Faschingssamstag erreicht der Villacher Fasching beim großen Faschingsumzug in der Innenstadt seinen Höhepunkt, und zahlreiche Faschingnarren feiern dies gemeinsam mit Pauken und Trompeten.

 

Bla-Bla Stadtgerücht zu Clagenfurth

Pünktlich am 11. 11 um 11 Uhr übernehmen die Stadtrichter das Regiment in Klagenfurt und luchsen dem Bürgermeister den Schlüssel der Stadt aus der Tasche … und dann nimmt der Schalk seinen Lauf. In der Kärntner Landeshauptstadt wird der Fasching wochenlang zelebriert, und gleichzeitig das Ende des Winters und der einziehende Frühling gefeiert. Narren ziehen am Faschingsdienstag unter Gejohle tausender Schaulustiger und Kostümierter durch die Stadt.

Bereits im Jahr 1970, inspiriert vom Villacher Fasching, kam den Stadtrichtern die Idee eine eigene Faschingssitzung auf die Beine zu stellen. Damals noch als die „Fröhlichen Stadtrichter zu Clagenfurth“ bescherten sie mit Pointen und Sketches den Besuchern Lachkrämpfe und nasse Augen.

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Die Stadtrichter zu Clagenfurth! (verlinkt mit Pinterest – Quelle: meinklagenfurt.at)

Jahr für Jahr wird seit damals das politische und gesellschaftliche Leben der Stadt bei den Stadtgerücht-Sitzungen auf den Punkt gebracht. Die Stadtrichter zu Clagenfurth arbeiteten von der ersten Stunde an selbstlos und ehrenamtlich und freuen sich alljährlich, die erzielten Gewinne karitativen Zwecken widmen zu können.

Lei-Wossa in Pörtschach

Im Jahr 2006 traten die „Dorftratschn“ alias Horst Pollak und Dr. Horst Regitnig erstmals am Faschingdienstag am Monte Carlo Platz auf und begründeten damit den Pörtschacher Narrenrat.

Pörtschacher Dorftratschn
Horst Pollak – eine der Pörtschacher Dorftratschn – in seinem Element (Foto: Helmut Saurer – Pörtschacher Faschingsgilde)

Schon im Fasching darauf organisierte Roland Loibnegger die erste Sitzung im CCW. Inzwischen beteiligen sich fast alle Pörtschacher daran – ob auf der Bühne oder im Publikum – und Nummern wie „Serwus – Sretschnou – Tschau“, „Da Kuchlmasta“, „Pörtschach Security“, der Einsatz der Garde und die reizvollen Tanzeinlagen des MGV Pörtschach sind aus dem Programm nicht mehr wegzudenken.

Musikalisch unterstützt werden die Pörtschacher Narren stilecht von der Narren-Combo und der Faschingsruf hier lautet – wohl wegen der unmittelbaren Nähe zum See und nicht bezugnehmend auf die Getränkewahl – Lei Wossa!

Ein Insider berichtet

Wir haben uns einmal mit dem echten „Faschingsnarr“ Helmut Strauss unterhalten und ihn ein bisschen über sein Wirken in der Faschingsgilde „Kulturspektrum Maria Gail“ ausgefragt:

Herr Strauss, wie entsteht das Programm für die Faschingssitzung?
Das Programm entsteht durch das Zusammenwirken aller Akteure: zunächst werden von den jeweiligen Autoren Manuskripte der einzelnen Sketche und Beiträge verfasst, die im Laufe der Proben durch das Einfließen von zusätzlichen Ideen der Mitwirkenden aber auch der anderen Gildenmitglieder adaptiert werden.

Wie lange wird geprobt?
Die ersten Proben beginnen bereits im Herbst  (Oktober/November). Die Intensivphase der Probenzeit war in diesem Jahr ab Mitte Dezember, also ab dem Zeitpunkt, als wir die Bühne des Kulturhauses Maria Gail zur Verfügung hatten.

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Toller Auftritt des Kulturspektrums Maria Gail (Foto: http://www.ksmg.at/)

 

Was macht Ihnen besonders viel Spaß?
Der besondere Reiz der Faschingssitzungen liegt für die Akteure selbstverständlich vor allem in der Unterhaltung des Publikums. Die Lacher und der Applaus sind der schönste Dank für  die doch sehr zeitintensiven Vorbereitungen und Proben.

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Helmut Strauss (links) in seinem Element! (Foto: http://www.ksmg.at/)

 

Was macht für Sie den Fasching aus?
In diesem Jahr war der Fasching für mich natürlich von unseren Faschingssitzungen geprägt. Darüber hinaus bedeutet der Fasching für mich auch der Besuch von Bällen und Gschnas-Festen.

Das kulinarische Herzstück

Deftiges Essen und fette Speisen wie Heringschmaus, Specknudel, Sauschädel oder Erbsensuppe dürfen im Fasching ebenso wenig fehlen, wie das eigentliche Herzstück – der Faschingskrapfen. Ein Fasching ohne Krapfen ist genauso undenkbar wie Weihnachten ohne Kekse.

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Der Klassiker! Sieht er nicht zum Anbeißen aus?

Locker, leicht und flaumig und mit Marillen-Marmelade gefüllt muss er sein. Aber inzwischen werden auch schon andere „Innenleben“ akzeptiert, denn bereits seit einigen Jahren gibt es immer wieder neue Kreationen dieses traditionellen Germteiggebäcks, und wir wollen Ihnen hier gleich unsere hauseigenen närrischen Typen aus der Wienerroither-Krapfen-Gang vorstellen!

 

Jetzt bleibt uns nur noch, Ihnen einen lustigen Fasching zu wünschen! Und … lassen Sie sich Ihren Lieblingskrapfen so richtig schmecken.

 

 

 

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