Die Menschen hinter der Maske

Der Wienerroither ist ein Bäcker. 

Seit über 80 Jahren backen wir Brot. Davon verstehen wir was. Eine gut eingerichtete Backstube, herrliche Zutaten aus der Nachbarschaft, viel Zeit, echtes Handwerk, österreichische Backkultur, eine leidenschaftliche Mann- & Frauschaft und ein Laden, in dem wir unseren Kund*innen unser Brot anbieten. Das war bis vor Kurzem unsere Welt.

Nun aber gibt es plötzlich eine weitere – durchaus exotische – Aufgabe, die wir als Bäcker übernehmen sollen: die des Mund-Nasen-Schutz-Wachhundes.

Ganz ehrlich? Das übersteigt eindeutig unsere Kompetenzen!

Die Anfänge

Um es klar zu sagen:

Wir haben uns seit Beginn der Corona-Zeit an die Auflagen und Empfehlungen unserer Bundesregierung gehalten. Wir haben jede Pressekonferenz verfolgt, uns informiert und dementsprechend gehandelt. Manchmal war dies eine Herausforderung, erfolgten doch die Anordnungen in einem Affentempo und jeden Tag konnte man mit Änderungen rechnen. Trotzdem haben wir uns tapfer geschlagen …. und dabei auch aufs Brotbacken nicht vergessen.

Silvia zu Lockdown-Zeiten
Zu Lockdown-Zeiten mussten unsere Verkäuferinnen auch noch hinter der Theke einen Mund-Nasen-Schutz tragen.
Die Theke garantiert mit ihrer Tiefe von 1,3 m den Mindestabstand zum Kunden
Plexiglastrennwände und Bargeldloszahlung sind inzwischen ein vertrautes Bild

Wir haben in einer Zeit, als aufgrund der plötzlichen großen Nachfrage weltweit keine Masken mehr erhältlich waren, hochwertige handgenähte Exemplare von Monkey On My Shoulder aus Feldkirchen aufgetrieben. Wir haben bei unserem lokalen Pörtschacher Tischler Plexiglastrennwände bestellt, haben uns die Hände noch öfter als bisher gewaschen, desinfiziert was das Zeug hält, haben alle unsere Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken müssen, sind vorsorglich mit der Produktion in Schichtbetrieb gegangen, haben unzählige Kundenanfragen beantwortet, verschiedenste Lieferservice-Cooperationspartner organisiert, unseren Online-Shop bestückt und beworben ….und haben trotzdem nicht aufs Brotbacken vergessen!

Was uns nachdenklich macht

Was allerdings nun passiert, übersteigt eindeutig unsere Vorstellungskraft ebenso wie unseren Handlungsspielraum.

Wir haben in den letzten Tagen beobachten müssen, wie sonst friedliebende Menschen sich gegenseitig ob der Pflicht, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, gegenseitig beflegeln. Ja, eine unserer Verkäuferinnen hat sogar ein Nougatcroissant an den Kopf geworfen bekommen! Unvorstellbar, oder?

Ja Sam sieht nicht ein, wieso er/sie Maske tragen sollte, wenn es unsere Verkäuferinnen HINTER der Theke nicht tun.
Die Aufforderung unserer Mitarbeiter, doch bitte im Verkaufsbereich Maske zu tragen, stößt auf Unverständnis bei manchen Kunden….
Christian hätte gerne, dass unsere Verkäuferinnen stärker auf die Maskenpflicht hinweisen.
…andere wiederum kritisieren, dass dies nicht genug gemacht wird.

Wir haben auf Kommentare auf Facebook geantwortet, die uns gezeigt haben, wie unklar vielen das Wie und Warum rund um diese Maskenpflicht ist. Und wir mussten 1-Sterne-Bewertungen – gekoppelt mit mehr oder weniger freundlichen Nachrichten – auf GoogleMyBusiness für etwas hinnehmen, was wir gar nicht beeinflussen können. Zum einen von Menschen, denen die Kunden in unseren Geschäften die Maskenpflicht nicht ernst genug nahmen, und andererseits von jenen Zeitgenossen, die den Zwang zur Maske als persönliche Freiheitsberaubung sehen und partout nicht akzeptieren wollen.

Hier unsere Regeln

Um das Ganze abzukürzen und nochmals ein klares Statement unsererseits zu den in unseren Geschäften geltenden Regeln abzuliefern, möchten wir hier Folgendes zusammenfassen:

  • 1|In allen Lebensmittelgeschäften in Österreich – so also auch bei uns – besteht im Moment im Kundenbereich Maskenpflicht. Diese gilt hier sowohl für Kunden als auch für Verkäuferinnen. Hinter der Verkaufstheke tragen unsere Verkäuferinnen keinen Mund-Nasenschutz, da sie durch ebendiese Theke, die eine Tiefe von mindestens 1,3 m aufweist, den nötigen Sicherheitsabstand von 1 m in jedem Fall einhalten. Hinzu kommt der Schutz durch eine Plexiglaswand im Kassenbereich. Beides macht eine eventuelle Ansteckung unserer Kunden durch eine Verkäuferin unmöglich.
  • 2|Die Regel Nr. 1 betrifft nicht das Kaffeehaus. Dies rührt von der Überlegung des Gesetzgebers her, dass ein Bäckerladen zu den Grundversorgern unserer Gesellschaft gehört und daher für alle Menschen (inklusive Angehörige der Risikogruppen) zugänglich sein sollte, ein Kaffeehausbesuch aber freiwilliger Natur ist und daher von besorgten Mitbürgern vermieden werden kann.
  • 3|Wir sind uns bewusst, dass es zur Regel Nr. 1 natürlich auch eine Ausnahmeregelung gibt. Diese wird im § 11 (3) der Covid19-Lockerungsverordnung vom 30. Juni 2020 genau dargestellt. Zu den Ausnahmen von der Maskenpflicht zählen u.a. Kinder bis zum vollendeten 6. Lebensjahr und Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen ihre Maske nicht tragen können. Wir wurden übrigens von einer betroffenen Kundin darauf hingewiesen, dass das Fehlen der Maske gegenüber unserem Verkaufspersonal von ihr auch nicht extra erklärt werden muss.
  • 4|Die Nichteinhaltung der Maskenpflicht darf – wie im § 11 (6) angeführt – ausschließlich von Organen des öffentlichen Sicherheitsdienstes geahndet werden. Zu beachten wäre also: Bäcker und Verkäuferinnen zählen nicht zu dieser Gruppe.

Miteinander statt gegeneinander

Wir appellieren hier jetzt ganz einfach mal laut an den gesunden Menschenverstand und hoffen auf ein wenig Toleranz und Verständnis unseren Mitbürgern gegenüber. Es müsste doch unter zivilisierten Menschen möglich sein, die Bedürfnisse seines Gegenübers zu erkennen und auf sie einzugehen. Ein freundlicher Ton wäre überdies noch das Tüpfelchen auf dem “i”.

Ein Beispiel: Wenn ich sehe, dass jemand besonders ängstlich im Hinblick auf eine potenzielle Covid19-Erkrankung ist, dann setze ich doch diesem Menschen zuliebe meine Maske auf. Auch wenn mein Leben dadurch für 10 Minuten einen Hauch unbequemer wird. 

Es wird uns kein Zacken aus der Krone fallen, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse kurz einmal hinter die derer stellen, die unsere Unterstützung gerade nötig brauchen.

Nur gemeinsam sind wir stark!
Unser Credo: miteinander anstatt gegeneinander

Unsere Einladung

Liebe Leute! Lasst uns doch achtsam miteinander umgehen. Lasst uns aufeinander schauen, anstatt einander anzukeifen. Wir sitzen schließlich alle im selben Boot und mit ein wenig Freundlichkeit ist es auch im schwersten Seegang gleich viel leichter, gut zu navigieren.

Lasst uns die Herausforderungen dieser Zeit gemeinsam angehen, indem jeder für sich selbst und für seine Umgebung Verantwortung übernimmt.

Und lasst uns bitte endlich damit aufhören, den Bäcker, den Fleischer, den Gemüsehändler, die Milchfrau, die Supermarktangestellte, den Marktstandler, ….. und natürlich auch die Wienerroither-Verkäuferinnen für das Verhalten der Kunden verantwortlich zu machen.

Ihr Job ist es, gutes Brot zu verkaufen. Geben wir ihnen die Möglichkeit, dies auch zu tun.

Herzlichen Dank.

Euer Bäck‘ vom See 🥨

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One thought on “Die Menschen hinter der Maske

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